Der Luftverkehr in Europa ist 2025 weiter gewachsen und liegt inzwischen deutlich über dem Vorkrisenniveau, während Deutschland weiterhin nur ein reduziertes Angebot vorweist. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sieht hohe staatliche Standortkosten als Hauptursache und fordert zusätzliche Entlastungen, um die internationale Anbindung zu stärken.
Der Luftverkehr in Europa liegt 2025 laut Jahreszahlen des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) über dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Das Sitzplatzangebot erreichte im europäischen Durchschnitt 106 Prozent des Vorkrisenwertes, ohne Deutschland sogar 108 Prozent. In vielen Ländern ist die Erholungsphase damit abgeschlossen.
In Deutschland fiel die Entwicklung verhaltener aus. Zwar stieg die Zahl der Passagiere an deutschen Flughäfen 2025 um 3,6 Prozent auf rund 219,6 Millionen. Das Sitzplatzangebot lag jedoch nur bei etwa 89 Prozent des Niveaus von 2019. Damit vergrößerte sich der Abstand zwischen Deutschland und dem europäischen Durchschnitt auf 19 Prozentpunkte. Besonders deutlich zeigt sich die Differenz im Segment der europäischen Punkt-zu-Punkt-Airlines, deren Angebot hierzulande deutlich schwächer gewachsen ist als im übrigen Europa. Zudem wurde seit 2019 mehr als ein Drittel der innerdeutschen Strecken eingestellt.
Der BDL führt die vergleichsweise schwache Entwicklung vor allem auf hohe staatlich bedingte Standortkosten zurück. Nach Angaben des Verbandes stiegen die Belastungen für den Luftverkehrsstandort Deutschland im Jahr 2025 um rund 1,1 Milliarden Euro auf insgesamt etwa 4,3 Milliarden Euro.
Zu den relevanten Faktoren zählen unter anderem Abgaben, Gebühren und regulatorische Vorgaben. Der BDL argumentiert, dass diese Kostenstruktur das Wachstum im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bremse. Besonders im Wettbewerb um Investitionen von Fluggesellschaften wirke sich dies nachteilig aus. Auch bei der europäischen Vorgabe zur Beimischung nachhaltiger Kraftstoffe sieht der Verband Wettbewerbsnachteile für Airlines mit Sitz in der EU, da dadurch aus seiner Sicht zusätzliche Kosten entstehen könnten.
Die im November beschlossenen Entlastungen, etwa bei der Luftverkehrsteuer, bewertet der BDL als ersten Schritt. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, weitere Einbußen bei der internationalen Anbindung zu vermeiden.
Nach Einschätzung des Verbandes seien jedoch zusätzliche Schritte erforderlich, um das Wachstum zu beschleunigen und die Lücke zum europäischen Durchschnitt zu verkleinern. Als Beispiel verweist der BDL auf Schweden, wo die Luftverkehrsteuer Mitte 2025 abgeschafft wurde. Dort sei das Sitzplatzangebot im zweiten Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahr gewachsen und habe im Dezember um 8 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Der Verband sieht darin einen Hinweis auf die Bedeutung staatlicher Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen von Fluggesellschaften. Darüber hinaus spricht sich der BDL für einen aus seiner Sicht fairen Wettbewerb zwischen Airlines aus der EU und aus Drittstaaten aus.
Der Luftfrachtverkehr an deutschen Flughäfen entwickelte sich 2025 leicht positiv. Insgesamt wurden rund 4,86 Millionen Tonnen ein- und ausgeladen, was einem Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit lag das Aufkommen geringfügig über dem Niveau von 2019. Hintergrund waren unter anderem temporäre Nachfragespitzen im Zusammenhang mit der US-Zollpolitik, die zu erhöhten Lageraufstockungen führten.
Im europäischen Vergleich fiel das Wachstum jedoch stärker aus: Europaweit stieg das Frachtaufkommen um 2,9 Prozent, weltweit um 3,4 Prozent. Der Flughafen Frankfurt konnte 2025 wieder die Position als größter Frachtflughafen Europas einnehmen, steht jedoch weiterhin im Wettbewerb mit anderen internationalen Standorten. Auch im Frachtbereich betont der BDL die Bedeutung wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für die langfristige Sicherung des Logistikstandorts Deutschland.
Quelle: https://www.bdl.aero/pressemitteilung/bdl-jahreszahlen-2025/