Die Europäische Weltraumorganisation ESA baut den Einsatz von Virtual-, Augmented- und Mixed-Reality-Technologien systematisch aus – von der Ausbildung von Astronautinnen und Astronauten bis hin zu öffentlich zugänglichen Weltraumerlebnissen. Dafür hat die ESA ein eigenes Kompetenzzentrum gegründet und mehrere neue Tools entwickelt.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA weitet den Einsatz sogenannter Extended-Reality-Technologien deutlich aus. Unter diesem Begriff werden verschiedene immersive Technologien zusammengefasst: Virtual Reality tauchen Nutzerinnen und Nutzer vollständig in eine digitale Welt ein, Augmented Reality blendet digitale Elemente in die reale Umgebung ein, und Mixed Reality verbindet beide Welten so, dass Nutzende mit digitalen Objekten in ihrer physischen Umgebung interagieren können. Kurz: Mit einer entsprechenden Brille lässt sich die Welt um einen herum in etwas völlig anderes verwandeln wie etwa in die Internationale Raumstation ISS oder die Mondoberfläche.
Die ESA setzt diese Technologien in mehreren Bereichen ein. Am European Astronaut Centre in Köln betreibt die Agentur ein XR-Labor, in dem Astronautinnen und Astronauten am Boden trainieren: Sie können sich mit dem Layout der Internationalen Raumstation vertraut machen, den Roboterarm der Station bedienen oder Außeneinsätze im Weltraum üben – alles virtuell, aber realitätsnah. Ein neues Projekt soll diese Technologien künftig auch direkt auf der ISS nutzbar machen, etwa damit Astronautinnen und Astronauten Arbeitsschritte freihändig und mit Anleitung durchführen, Sport motivierter absolvieren oder virtuell mit ihren Familien in Kontakt treten können.
Darüber hinaus will die ESA XR-Technologien für die interne Zusammenarbeit nutzen. So soll die Technologie bei Designprüfungen, der Auswertung wissenschaftlicher Ergebnisse und Entscheidungen zur Erdbeobachtung zum Einsatz kommen. Und auch die Öffentlichkeit soll profitieren: Bereits heute lassen sich über verschiedene Anwendungen ESA-Missionen im eigenen Wohnzimmer erleben, ein virtuelles Raumfahrtmuseum besuchen oder Raketenstart und Schwerelosigkeit simulieren.
Um all das zu bündeln, hat die ESA ein dediziertes Extended-Reality-Kompetenzzentrum gegründet. Dessen Aufgabe ist es, Wissen innerhalb der Organisation zu bündeln, Zusammenarbeit zwischen den ESA-Mitgliedstaaten zu fördern und Entwicklungen zu koordinieren. Begleitend dazu hat die ESA ein eigenes Software-Entwicklungspaket, das sogenannte ESA XR Plugin, veröffentlicht. Es basiert auf der weit verbreiteten Spiele-Engine Unreal Engine und ermöglicht es Unternehmen, aber auch Schülerinnen, Schülern und Studierenden, eigene XR-Anwendungen für den Raumfahrtbereich zu entwickeln. Wer das Tool nutzt, behält dabei die vollen Vermarktungsrechte an seinen Entwicklungen.
In Planung ist außerdem das ESA XR Universe. Dies soll eine Art gemeinsamer virtueller Raum werden, in dem mehrere Nutzende gleichzeitig interagieren können. Eine interne Pilotversion soll bald folgen, bevor das Angebot für die breite Öffentlichkeit geöffnet wird. Ergänzt wird das Portfolio durch eine alle zwei Jahre stattfindende Fachkonferenz, die Expertinnen und Experten aus dem XR- und Raumfahrtbereich zusammenbringt.
Quelle (Englisch): https://www.esa.int/Enabling_Support/Space_Engineering_Technology/Extended_Reality_at_ESA_opens_new_pathways_for_space_exploration