Am 19. Mai 2026 ist der Airbus A310 ZERO-G um 9:30 Uhr vom Flughafen Bordeaux-Mérignac gestartet, um Forscherinnen und Forschern zusammen mit ihren Experimenten in die Schwerelosigkeit zu bringen. Es ist der erste von drei aufeinanderfolgenden Flugtagen während der 46. Parabelflugkampagne der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Während der aktuellen Parabelflugkampagne werden insgesamt acht Experimente von deutschen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Hochschulen an Bord durchgeführt.
Bei der Erforschung des Mondes wird Infrastruktur wie Behausungen und Straßen benötigt werden. Das Material hierfür von der Erde aus heranzuschaffen, wäre extrem aufwändig. Deutlich einfacher wäre es, wenn das Mondgestein Regolith hierfür genutzt werden könnte. Die Forschung konzentriert sich aktuell darauf, Mondgestein aufzuschmelzen und ähnlich wie in einem 3D-Drucker zu nutzen. Der Vorteil ist, dass nur die technologische Ausrüstung zum Mond transportiert werden muss. Die für das Schmelzen notwendige Energie kann durch Photovoltaik gewonnen werden.
Für das Experiment der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung wurde eine Anlage entwickelt, die Regolith unter Vakuum mittels Laserstrahlung in einem Durchmesser von ungefähr zehn Millimetern schmelzen kann. Während der Parabelflüge soll untersucht werden, wie sich Vakuum und unterschiedliche Gravitation auf das Schmelzergebnis auswirken.
Zudem soll untersucht werden, ob und wie der Schmelzvorgang die Laseroptik verschmutzen und damit unbrauchbar machen könnte. Der Mond hat keine Atmosphäre und eine im Vergleich zur Erde geringe Schwerkraft. Kräfte, die auf der Erde kaum wirken – wie beispielsweise Druck durch Weltraumstrahlung – können hier jedoch zu einem Einfangen oder Wegschieben von Staubpartikeln führen.
Mit fortschreitender Entwicklung der astronautischen Raumfahrt rückt eine zentrale Fragestellung in den Fokus: Wie lässt sich die kognitive und psychomotorische Leistung von Crews auf Raumflügen erhalten?
Schwerelosigkeit kann unmittelbar zu Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Reaktionsgeschwindigkeit führen. Das erhöht das Risiko für schwerwiegende Fehler.
Versuche auf der Erde haben gezeigt, dass sich die geistige Leistung verbessert, wenn der Vagusnerv durch schwache elektrische Impulse stimuliert wird. Der Vagusnerv ist einer der großen Gehirnnerven. Er ist unter anderem an der Aufmerksamkeitskontrolle und der kognitiven Verarbeitung beteiligt.
Im Experiment der Universität Magdeburg erhalten Teilnehmende teils eine echte Stimulation und teils eine Placebo-Stimulation. Die kognitive und psychomotorische Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden wird dann vor, während und nach dem Flug erfasst.
Sollte sich die Methode als wirksam erweisen, würde das Perspektiven für den Einsatz tragbarer, nichtinvasiver Systeme zur Unterstützung der Leistungsfähigkeit von Astronautinnen und Astronauten eröffnen.
Quelle: https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2026/46-parabelflugkampagne-gestartet