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26.05.2026

Antarktis als Testlabor: Was Überwinterungsteams über Weltraummissionen verraten

Eine internationale Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Würzburg belegt erstmals anhand von Sensordaten, wie sich Isolation und enge räumliche Bedingungen auf Teamdynamik und psychisches Wohlbefinden auswirken. Selbst psychisch stabile Personen entwickeln demnach unter Extrembedingungen paranoide Gedanken und wachsendes Misstrauen.


Bild: Jessica Studer

Forschende des Universitätsklinikums Würzburg haben in einer Langzeitstudie untersucht, wie sich monatelange Isolation auf den Zusammenhalt kleiner Teams auswirkt. Die im Fachjournal PNAS veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Räumliche Enge lindert zwischenmenschliche Spannungen nicht, sie verschärft sie.

Antarktisstation als Modell für den Weltraum

Während technische Fortschritte Langzeitmissionen ins All zunehmend realistisch machen, sind die menschlichen Faktoren solcher Vorhaben kaum erforscht. Prof. Dr. Sebastian Walther, Direktor der Klinik für Psychiatrie am UKW, hat diese Lücke gemeinsam mit Forschenden aus sechs Ländern nun geschlossen. Als Untersuchungsort diente die Concordia-Station in der Antarktis, die während des Winters von Mitte Februar bis Mitte November vollständig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Temperaturen bis minus 80 Grad, reduzierter Sauerstoffgehalt und begrenzte Rettungsmöglichkeiten machen sie zu einem realistischen Analogon für Weltraummissionen. „Ihre extreme Abgeschiedenheit ist sogar größer als die der Internationalen Raumstation", erklärt Walther.

Mehr Kontakt, mehr Konflikt

Zwölf Teammitglieder wurden über zehn Monate mit tragbaren Näherungssensoren und psychologischen Befragungen begleitet. Die Sensoren erfassten, wer wen wie oft und wie lange traf. Obwohl die Kontakthäufigkeit im Zeitverlauf zunahm, verbesserten sich weder Wohlbefinden noch Teamdynamik. Häufigere Begegnungen führten teilweise sogar zu mehr Konflikten. Parallel stiegen Einsamkeit und Misstrauen, während Teamzusammenhalt und wahrgenommene Leistungsfähigkeit abnahmen. Bereits zur Mitte der Mission berichteten Teilnehmende von paranoiden Gedanken, obwohl alle zuvor strenge psychologische Auswahlverfahren durchlaufen hatten. Zusätzlich bildeten sich Untergruppen entlang von Sprache und Nationalität. Unter Erschöpfung neigen Menschen offenbar dazu, sich enger mit vertrauten Gruppen zu verbünden. Für bemannte Zukunftsmissionen, etwa zum Mars, könnten diese Erkenntnisse entscheidend sein. „Erfolg im All hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch davon, wie gut Menschen unter extremen Bedingungen zusammenarbeiten", so Walther.

Quelle: https://www.ukw.de/aktuelle-meldungen/detail/news/isolation-im-extrem-studie-zeigt-risiken-fuer-teamdynamik-bei-langzeitmissionen/